20. Juli 2026
Geruchsimmissionen in Gelterkinden
Wenn die Kanalisation streikt
Warum es bei der Trockenheit aus den Schächten stinkt
Wer in diesen Tagen an einem Kanaldeckel oder Gully vorbeigeht, hält sich womöglich unwillkürlich die Nase zu. Der unangenehme Geruch, der derzeit vielerorts aus der Kanalisation aufsteigt, hat einen einfachen Grund: Es fehlt schlicht an Wasser.
Zu wenig Wasser zum Spülen
Normalerweise fliesst durch die Kanalisation nicht nur Abwasser aus Haushalten, sondern auch etwas Regenwasser. Dieses sorgt dafür, dass alles kräftig durchgespült wird. Bleibt der Regen wochenlang aus, fehlt dieser natürliche "Spülgang". Das Abwasser fliesst langsamer, ist konzentrierter – und beginnt zu gären.
Bakterien am Werk
In den Leitungen bleiben dadurch vermehrt kleine Essensreste, Fett und andere Stoffe hängen, anstatt weggespült zu werden. Bakterien machen sich über diese Ablagerungen her. Weil dabei kaum Sauerstoff im Spiel ist, entsteht bei diesem Abbauprozess unter anderem Schwefelwasserstoff – ein Gas, das exakt so riecht wie faule Eier. Bei den aktuellen hohen Temperaturen läuft dieser Prozess noch schneller ab, denn Wärme kurbelt das Bakterienwachstum zusätzlich an.
Die unsichtbare Wasserbarriere trocknet aus
Ein weiterer, weniger bekannter Effekt kommt hinzu: In jedem Schlammsammler oder Einlaufschacht mit Schlammsammler hat es einen Tauchbogen welcher eine Siphonwirkung hat. Verdunstet das Wasser im Schacht unter das Niveau des Tauchbogens können Gase aus der Kanalisation ungehindert entweichen.
Für Anwohnerinnen und Anwohner bedeutet das:
Der Gestank ist zwar unangenehm, aber kein Zeichen für ein defektes System – sondern schlicht eine Folge der aussergewöhnlichen Trockenheit.
